Zu rechts?

E

ExUser 1729

Guest
Ich hatte bislang nicht den Eindruck, dass der Schattenmacher einem totalitären Kollektivismus das Wort predigt. Er dürfte, korrigiert mich, dem Ideal nach eher ein Vertreter einer organischen Ständegesellschaft sein.
Wäre er für eine Ständegesellschaft, dann würde er das auch so sagen. Gibt ja zahlreiche Beispiele, wie man das gesellschaftlich vorteilhaft in staatliche Institutionen pressen kann. Das preußische Klassenwahlrecht wäre da ein Beispiel. Da er darauf verzichtet, kann ich daraus nur schließen, dass ihm etwas aus dem Giftschrank der Geschichte als Vorbild für seinen Idealstaat vorschwebt.

Des weiteren stößt mir sein Elitenfimmel auf. Ihm scheint der prinzipielle Problem von Eliten egal zu sein, so lange er Elite sein darf. Rational sollte man doch erwarten, dass jemand mit schlechter Erfahrung mit Eliten selbst eher nicht elitär werden will, sondern sich vielmehr zum Ziel setzt, die Wirkung von Eliten generell zu neutralisieren.

Dann wäre da noch sein Pochen auf Funktionalität, auf ein pragmatisches Vorgehen und das Verweisen auf Kausalitäten als entscheidende Triebfeder, schlussfolgert dann aber mit seiner eigenen Version des Endes der Geschichte, sprich, er argumentiert dialektisch und hebt die Funktionalität hinter den von ihm erkannten Mechanismen wieder auf. Dieses Herumeiern ist noch einmal um eine Ecke schlimmer als seine Dozentenstimme (Frank Franz war in der Hinsicht wesentlich konsistenter). Letztlich läuft es auch da hinaus auf die Frage, wer am Drücker ist und so lange er das ist, dann ist alles gut. Alles, was ich von ihm gehört habe durchzieht ein pures Machtdenken. Für ihn zählt nur Macht und sonst nichts.

Schließlich muss man auch seine Herabwürdigung indidvidueller Souveränität anführen, die er auch in der Honigwabe zum Ausdruck brachte. Wenn der Einzelne nur in Abhängigkeit seiner Gruppe etwas bedeutet, dann zählt der einzelne nichts. Vom Ansatz her ist das also nichts anderes, als was uns auch die Kulturlinke präsentiert, nur mit der Variation, dass er das gerne mit einer Elite überstülpen würde, die das alles im Griff hat.

Alles in allem sind in Schattenmachers Weltbild mehr als genug Indizien vorhanden, die sich zu dem summieren, was ich auch in meinem letzten Kommentar mit den Interviewzitaten geschrieben habe. Einen aufgeklärten Absolutismus oder etwas in die Richtung erkenne ich bei ihm nicht.

Das ist etwas vollkommen anderes und es entzieht sich meinem Verständnis warum sich Libertäre, wie du es vermutlich bist, derart dagegen verwehren.
Eher wertkonservativ.

Richtig. Kritik an der Aufklärung ist fast so alt wie die Aufklärung selbst, ist nichts verwerfliches und hat ein paar valide Punkte, die bis heute relevant sind.
Warum die alten Röcke auspacken? Ernst Nolte et. al. haben in den 1980er Jahren mit der funktionalen Geschichte eine gute Antwort gefunden, den Dialektikkram ad acta zu legen, ohne dabei in autoritäres Denken zu verfallen. Leider wurden sie damals beim Historikerstreit in der Öffentlichkeit gnadenlos platt gemacht (plus FSJ tot & dann Wende), obwohl sie auf dem besten Weg waren, sich durchzusetzen.

Ob der Schattenmacher sich mal mit dem Historikerstreit befasst hat? Die Suchmaschine meint nein. Wozu auch?
 
Moderiert:

Pascal

Ledersockenstreicher
Ihm scheint der prinzipielle Problem von Eliten egal zu sein, ...
Wie soll ein Staat oder eine Gesellschaft funktionieren, ohne mindestens eine Gruppe, die irgendwie mit dem Begriff Elite fassbar ist? Ich meine wer auch immer z.B. die Verantwortung über die Herstellung von Lebensmitteln, die Beschaffung und Einteilung von Energie, die Wertstabilität und Verfügbarkeit von Zahlungsmitteln, die Anleitung von weniger talentierten Menschen ... übernimmt, ist irgendwie Elite. Wie sollte ein Gemeinwesen ohne solche Leute laufen?

Dann wäre da noch sein Pochen auf Funktionalität, ...
Ist ein Pochen auf Funktionalität nicht angesichts
  • eines Verfassungsschutzes, der die Regierung statt die Verfassung schützt,
  • Zwangsgebührenmedien, die Globalistenpropaganda und Werbung senden, statt einem Bildungsauftrag nachzukommen
  • einer Politikkaste, die alles mögliche tut, aber nicht die Interessen ihrer Wähler repräsentiert
  • Firmenkonstrukten, deren Hauptaktivität das Privatisieren von Gewinnen und das Sozialisieren von Verlusten ist
  • Schulen, die zunehmend Globalistenpropaganda und Werbung für die woke society statt Bildung vermitteln
  • dem starrsinnigen Bestehen auf Imfungen mit Impfstoffen, die offensichtlich bei Weitem nicht das Halten, was von jedem Impfstoff zu forden ist
  • Sicherheitsdiensten, die zunehmend gegen Minimalstverstösse von Bürgern statt gegen schwerstkriminelle Gewohnheitsverbrecher eingesetzt werden
  • Parteipolitikern in Richterämtern
  • ...
... nicht (a) mehr als verständlich und (b) eigentlich zu wenig?
Herabwürdigung indidvidueller Souveränität ...
Ich kenne das Konzept der Souveränität von Staaten oder früher Monarchen, aber das Konzept individueller Souveränität ist mir unbekannt. Kannst Du das erklären? Wäre das so etwas wie eine Gesellschaft, die nur aus Königen besteht?

Wäre er für eine Ständegesellschaft, dann würde er das auch so sagen. Gibt ja zahlreiche Beispiele, wie man das gesellschaftlich vorteilhaft in staatliche Institutionen pressen kann. Das preußische Klassenwahlrecht wäre da ein Beispiel. Da er darauf verzichtet, kann ich daraus nur schließen, dass ihm etwas aus dem Giftschrank der Geschichte als Vorbild für seinen Idealstaat vorschwebt.
Diese Schlussfolgerung ist alles andere als wasserdicht. Es steht die Möglichkeit im Raum, dass er kein Freund der Ständegesellschaft ist und (noch) keine klare Vorstellung seines Idealstaates hat. Genau solche Fragen kann man in direkter Kommunikation klären. Dazu muss man direkte Kommunikation aber zulassen.
 

Hugo4

Gesalbter Bienenmärtyrer

Das macht dann wohl Skinheads zu Vorreitern der Umweltbewegung.

:kek:
Dass muss man gleich in Umlauf bringen, lange Haare sind voll "antiklima" und "proputin". Ich bin davon überzeugt, dass es viele "Linke" gibt, die bei der Überlegung, "meine politische Einstellung oder meine Frisur" einknicken werden.
 
Oben